Yoga hilft dem Herzen ! Sagt auch die Wissenschaft

Yoga hilft,  sagt auch die Wissenschaft! - aus Spiegel 44/2023

Es scheint, der kritische Spiegel hat Yoga in sein Herz geschlossen:

"Yoga hilft nicht nur gegen Rückenschmerzen und Depressionen, sondern hält auch das Herz jung und fit. Richtig angewendet, sind die Übungen gut für Puls, Blutdruck und Arterien.

Yoga soll helfen, alle seelisch-geistigen Vorgänge zur Ruhe zu bringen, auf dass man seine wahre Identität erkenne. Das Ziel ist für Novizen weit, doch schon auf dem Weg dahin wird man belohnt. Die Übungen der indischen Weisheitslehre lindern Rückenschmerzen bereits nach einigen Wochen und können bei Angststörungen und Depressionen helfen.

Eine Reihe kürzlich veröffentlichter Studien lässt einen weiteren Nutzen für die Gesundheit erkennen: Yoga stärkt das Herz und kann dazu beitragen, ein bereits krankes Herz ein Stück weit zu revitalisieren.

Das Ergebnis der Studie hat die Forscherin Sridevi Prabhu vom Manipal College of Health Professions mit ihrem Team unlängst im Fachblatt »Explore« vorgelegt. Im Vergleich zu den Kontrollpersonen schlug das Herz der Frauen und Männer aus der Yogagruppe wieder kräftiger. Darüber hinaus fühlten sie sich besser und hatten wieder mehr Freude am Leben.

Ein Beispiel ist die Herzinsuffizienz – auch Herzmuskelschwäche genannt –, bei der die Pumpleistung des Organs eingeschränkt ist. Betroffene sind nur wenig belastbar und haben oft Luftnot. In einem Krankenhaus in Indien wurde 35 solcher Patientinnen und Patienten zusätzlich zur medizinischen Standardtherapie ein Yogaprogramm verschrieben, das sie an fünf Tagen der Woche befolgten, und zwar ein Jahr lang. In der Vergleichsgruppe waren 40 ebenso herzkranke Personen, sie erhielten nur die Standardtherapie.

Das Ergebnis der Studie  hat die Forscherin Sridevi Prabhu vom Manipal College of Health Professions mit ihrem Team unlängst im Fachblatt »Explore« vorgelegt. Im Vergleich zu den Kontrollpersonen schlug das Herz der Frauen und Männer aus der Yogagruppe wieder kräftiger. Darüber hinaus fühlten sie sich besser und hatten wieder mehr Freude am Leben.

Leitlinie empfiehlt gegen Bluthochdruck erstmals auch Yoga

Das renommierte American College of Cardiology würdigte die Studie in einer eigenen Mitteilung und zitierte den daran beteiligten Ajit Singh wie folgt: »Diese Studie belegt, dass die Ergänzung der medizinischen Standardbehandlung der Herzinsuffizienz durch eine Yogatherapie zu einer Verbesserung der systolischen Funktion der linken Herzkammer und der Lebensqualität von Patienten mit Herzinsuffizienz führt.«

Zu den Verfassern der Leitlinie gehört der Mediziner Reinhold Kreutz, der an der Berliner Charité das Institut für Klinische Pharmakologie und Toxikologie leitet. »Diese Empfehlung basiert auf systematischen Analysen aller Yogastudien, die zum Ziel hatten, den Blutdruck bei Hypertonikern zu senken«, sagt Kreutz dem SPIEGEL. Die Auswertungen hätten in der medizinischen Maßeinheit Millimeter Quecksilbersäule (kurz: mmHg) ergeben: Der systolische Blutdruck könne um etwa fünf bis sechs mmHg gesenkt werden, der diastolische Blutdruck um etwa drei mmHg.

Die Übungen beziehen die Atmung mit ein

Neben Meditieren und Atemübungen beinhaltet Yoga körperliche Übungen, die Asanas. Da Aktivitäten wie Spazierengehen, Tanzen oder Radfahren bekanntermaßen positiv auf das Herz wirken, ist es zunächst wenig überraschend, dass auch Asanas dem Organ guttun.

Doch führt Yoga zu Verbesserungen, die über den Nutzen gewöhnlicher körperlicher Aktivität hinausgehen? In Kanada haben Forscherinnen und Forscher 60 Personen mit erhöhtem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in zwei Gruppen aufgeteilt. Die Mitglieder der einen absolvierten an fünf Tagen der Woche ein Ausdauertraining plus 15 Minuten Yoga. Die anderen machten das gleiche Training, aber dazu kein Yoga, sondern eine Viertelstunde lang gewöhnliche Dehnübungen.

Auf drei Monate war die Studie angelegt, danach wurden die Testpersonen untersucht: Alle hatten einen geringeren Blutdruck als vorher, aber in der Yogagruppe war die heilsame Reduktion merklich größer. Mehr noch: Der Ruhepuls war bei den Yogis gesunken, zudem sank ihr Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall. Der maßgeblich an den Untersuchungen beteiligte Kardiologe Paul Poirier sagt: »Unsere Studie  zeigt, dass strukturierte Yogaübungen eine gesündere Ergänzung zu aerobem Training sein können als einfaches Muskelstretching.«

»Wir haben festgestellt, dass Menschen, die Yoga praktizieren, deutlich gesündere Arterien haben.«

Michael Hamlin, Wissenschaftler von der Lincoln University in Christchurch

Der zusätzliche Nutzen könnte daran liegen, dass die Yogaübungen immer die Atmung und das Ausrichten der Aufmerksamkeit miteinbeziehen. Es mache einen enormen Unterschied, erklärt der Psychologe und Yogalehrer Ulrich Ott von der Universität Gießen, eine Stellung rein mechanisch »äußerlich« oder sie bewusst einzunehmen. Erst im letzten Fall werde es Yoga.

Elektrische Impulse steuern das Herz, möglicherweise werden diese neuronalen Vorgänge günstig beeinflusst, wenn man sich der Weisheitslehre hingibt. Beruhigt Yoga das vegetative Nervensystem, das man nicht bewusst steuern kann? Verändert es die Nervenversorgung der Blutgefäße und macht sie deswegen geschmeidiger?

Dafür spricht das Ergebnis einer Studie , bei der die sogenannte Steifigkeit der Blutgefäße untersucht wurde. Menschen, die Yoga machten, hatten demnach elastischere Gefäße als Vergleichspersonen. Das Ergebnis beruht zwar allein auf der Messung der sogenannten Pulswellengeschwindigkeit, der beteiligte Wissenschaftler Michael Hamlin von der Lincoln University in Christchurch hält seine Entdeckung jedoch für klinisch relevant. Gegenüber dem SPIEGEL sagt er: »Wir haben festgestellt, dass Menschen, die Yoga praktizieren, deutlich gesündere Arterien haben.«

Das Herz wird vor Stress geschützt

Ein Yoga-Mechanismus darf unterdessen schon als gesichert gelten: Die Übungspraxis hilft dem Herzen, indem sie Stress mindert und auf diese Weise das Organ vor den Folgen seelischer Belastungen schützt. Die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin führen dazu, dass sich Blutgefäße verengen. Dadurch steigt der Blutdruck, was auf Dauer zu einer Verdickung des Herzmuskels führt. Darüber hinaus wirken Stresshormone direkt auf das Herz und lassen es schneller schlagen. Männer, die sich etwa im Job oft ärgern müssen, sind einer Studie zufolge viel häufiger herzkrank als zufriedene Arbeitnehmer.

Vorhofflimmern schließlich ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung und kann zum Tod führen. Es deutet sich an, dass Yoga eine sinnvolle Begleitung zur Standardtherapie sein kann, indem es das Ausmaß der Rhythmusstörung eindämmt."

 

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